Rohstoffkosten verstärken Druck auf Teigwaren-Branche
Deutsche Hersteller befürchten weiteren Anstieg der Hartweizenpreise- Informationen über die Ernte 2007 deuten Verschärfung der Situation an
- Subventionsrückgang und Konkurrenz zu Bioethanol-Getreide die wichtigsten Gründe
- Verbraucher müssen mit höheren Teigwaren-Preisen rechnen
Berlin, 21. Juni 2007 – Die deutschen Nudelhersteller und Hartweizenmühlen befürchten für 2007 eine weitere Erhöhung der Hartweizenpreise, die im vergangenen Jahr bereits drastisch gestiegen sind. Da Hartweizen der wichtigste Rohstoff der Teigwarenbranche ist, geraten die deutschen Produzenten damit noch stärker unter Kostendruck. Frank Haack, stellvertretender Vorsitzender des Verbands der Teigwarenhersteller und Hartweizenmühlen Deutschlands e.V. (VTH), sowie Geschäftsleitung der Kampffmeyer Mühlen GmbH Werk Hildebrandmühlen Mannheim: „Die Recherchen in den wichtigsten Anbauge-bieten zeigen, dass sich die Situation in keiner Weise entspannt. Im Gegenteil: Die ersten Informationen über die Ernte 2007 deuten darauf hin, dass wir mit weiter steigenden Preisen für Hartweizen rechnen müssen.“
Die deutschen Nudelproduzenten stellen mehr als 90 Prozent ihrer Teigwaren aus Hartweizen her, der aus klimatischen Gründen in Deutschland in zu ge-ringem Umfang angebaut wird. Alexander Jess, Geschäftsführer des VTH: „Die deutschen Hartweizenmühlen, Hauptlieferanten der hiesigen Teigwaren-industrie, müssen sich aus diesem Grund auf dem Weltmarkt versorgen, ins-besondere in Kanada und den USA. Dabei mussten sie im vergangenen Jahr Preiserhöhungen von rund 30 Prozent in Kauf nehmen. Da eine Veränderung der Situation nicht abzusehen ist, müssen die Verbraucher in nächster Zeit mit höheren Teigwaren-Preisen rechnen.“
Haack führt den Preisanstieg des auch Durum-Weizen genannten Rohstoffs auf zwei Ursachen zurück. Zum einen fährt die EU ihre Subventionen für den Anbau von Hartweizen zurück, was zur Folge hat, dass beispielsweise die Bauern im wichtigen Hartweizen-Anbauland Italien ihre Produktion verringern. Die Nachfrage nach Hartweizen aus den USA und Kanada steigt daher. Insbesondere in den USA ist die Produktion aber zugleich ebenfalls rückläufig, da Bauern in den lukrativeren Anbau von Getreide für die Bioethanol-Herstellung wechseln. Im Hauptanbaugebiet North Dakota schrumpfte die Anbaufläche für Hartweizen aus diesem Grund sogar um 50 Prozent. Insgesamt verringerte sich im vergangenen Jahr in den wichtigsten Anbau-regionen - Europa und Nordamerika - die Hartweizen-Ernte um rund 20 Pro-zent. Eine Verbesserung der Situation zeichnet sich derzeit nicht ab.
Wie beliebt die Hartweizen-Nudeln bei deutschen Verbrauchern sind, hat das vergangene Jahr bestätigt. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Teigwaren stieg auf das Rekordhoch von über sieben Kilogramm und hat sich damit seit Beginn der 90er Jahre um mehr als 50 Prozent erhöht. Der steigende Verbrauch schlug sich auch im Absatz nieder: Der Teigwarenabsatz nahm im Inland um rund vier Prozent zu. Die deutschen Hersteller, deren Produkte in der Regel im oberen Qualitätssegment angesiedelt sind, hatten dabei im deutschen Lebensmittelhandel einen Umsatzanteil von rund 50 Prozent. Die italienischen Markenprodukte lagen bei rund 23 Prozent und damit unverändert im Vergleich zu vorhergehenden Jahren.